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Outsider-Kunst ist keine Stilrichtung...
Das Kunstgespräch machte die Problematik des Begriffes „Outsider-Kunst“ sehr schnell deutlich. Diskutiert wurde auf zwei Ebenen: Zum einen beschäftigte die Gesprächsteilnehmer die wörtliche Bedeutung im Sinne von Außenseitertum und damit einhergehender Stigmatisierung, zum anderen die Definition des Begriffes Outsider-Kunst im Kontext von Kunst. Die Fragen sind: Was ist Kunst überhaupt? Was macht einen Künstler aus? Muss er zum Beispiel Kunst und Kunstgeschichte reflektieren können? Oder von der anderen Seite aus gefragt: Ist nicht jeder Künstler ein Außenseiter in seiner Gesellschaft?

Bereits 1945 prägte der Künstler Jean Dubuffet die Bezeichnung „Art Brut“ (= rohe, unverbildete Kunst). Sein Ziel war es, außergewöhnliche Werke jenseits der etablierten Kunst aufzuspüren, zu sammeln und an die Öffentlichkeit zu bringen. Da er für den Begriff und seine Sammlung Urheberschaft und Exklusivität beanspruchte, führte Roger Cardinal für den englischsprachigen Raum die Bezeichnung „Outsider Art“ ein. Trotz ihrer Offenheit und Unschärfe haben sich beide Bezeichnungen international durchgesetzt, zur Anerkennung der Werke beigetragen und sie für den Kunstmarkt attraktiv gemacht.

Outsider-Kunst ist keine Stilrichtung, sagt noch nichts über einzelne Werke aus. Wenn man eine Qualität daraus ableiten will, dann müssen beide Teile des Begriffes ernst genommen werden. Es reicht nicht aus, eine psychische oder geistige Beeinträchtigung zu haben, um ein Outsider-Künstler zu sein. Das künstlerische Werk muss den Erwartungen, die an Kunst gestellt werden, standhalten können. Wenn dies der Fall ist, dann kann Outsider-Kunst tatsächlich Vorurteile abbauen. So z.B. zog ein Besucher im Allgemeinen Konsumverein folgendes Resümee: „Es sind die Begegnungen, die wichtig sind, z.B. bei diesem Kunstgespräch. Indem man mehr voneinander erfährt, mehr weiß, kann die gegenseitige Wahrnehmung sich ändern. Sie kann differenzierter werden. Man entwickelt gegenseitigen Respekt vor der künstlerischen Leistung.“
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Reinhard Dittrich, Teenager 2000, Ölkreide, Buntstift auf Papie